ALISA’S EXPERTENBLOG NR. 2: VON WEGEN WINTERSCHLAF

Rasen braucht jetzt besondere Pflege

Kurze Tage, schlechtes Wetter, Kälte und noch voller Spielbetrieb: da komme ich trotzdem ganz gut ins Schwitzen. Trainer und Spieler von Arminia Bielefeld erwarten bei jedem Wetter gut bespielbare Trainingsplätze und erst recht einen optisch und funktional topfitten Stadionrasen. Ich erzähl euch mal, wie ich das hinkriege.

Tau im Herbst begünstigt Pilzbefall

Wenn früh morgens der Tau auf dem Rasen schimmert, sieht das zwar schön aus, bedeutet für mich allerdings spätestens ab Oktober mehr Arbeit. Rasen mit frischem Tau zu mähen bringt nicht viel, da spätestens nach zwei Bahnen der Mäher verstopft ist. Daher muss ich jeden Platz vor dem Mähen erst mit einer 5 Meter langen Stange abziehen. Da sich über den Tau gerne Pilzsporen an den Halmen festhalten, ist es auch deshalb wichtig, den Tau vom Rasen zu bekommen.

Viel Regen bringt keinen Segen

Der Wetterbericht hat klar Einfluss auf meine Arbeitsplanung, denn für Wettkampfrasen ist zu viel Regen ein Problem. Werden starke Niederschläge erwartet und ein Heimspiel steht bevor, muss rechtzeitig ein „Verti-Drain“ im Stadion gefahren werden. Anders formuliert, wird eine Tiefenlockerung als Präventivmaßnahme gemacht. Dadurch kann das Regenwasser schneller abfließen und der Boden wird zusätzlich belüftet, was die Trocknung begünstigt. Dass das eine effektive Maßnahme ist, kann man daran erkennen, wie aufgeweicht und zertreten manchmal die Seitenränder im Gegensatz zum Spielfeld aussehen, denn dort kann ich aufgrund der Versorgungskanäle vorher nicht tiefenlockern.

Frost beeinflusst die Trainingszeiten

Frost ist ein ganz heikles Thema. Die Regel lautet: wenn es gefroren hat, geht niemand auf den Platz.  Wenn Halme gefroren sind und trotzdem gespielt wird, platzen die Chloroplasten in den Halmen. In ihnen befindet sich das Chlorophyll. Das Blattgrün läuft aus und der Rasen wird braun, im schlechtesten Fall stirbt er sogar ganz ab. Auf diese Konsequenzen muss ich die Trainer hin und wieder hinweisen und darum bitten, an Frosttagen das Training später beginnen zu lassen.

Bei mir ist es ähnlich. Wenn es nachts sehr kalt war, fange ich selbst erst später an. Abends fehlen mir die Stunden wieder, weil sich das Tageslicht nur so kurz blicken lässt. Nach dem Spieltag ist es besonders schwierig, weil ich erst ab 8 Uhr morgens etwas sehen und machen kann. Wenn dann um 9 Uhr schon wieder Training ist, schaffe ich es in einer Stunde gerade mal, die Löcher zuzumachen. Da ist immer Flexibilität gefragt. Der Boden im Stadion muss für ein Spiel frostfrei sein. Das ist wichtig für die Spieler, um in den Boden reinzukommen und sich nicht zu verletzen. Beim Einsatz der Rasenheizung ist Augenmaß gefragt: Wenn Samstag oder Sonntag ein Heimspiel ansteht, stelle ich bereits dienstags oder mittwochs die Rasenheizung an, damit der Rasen frostfrei und gut bespielbar ist. Eine Wurzeltemperatur von 10-15 Grad ist optimal für den Rasen.

Schnee ruft die Fans auf den Plan

Liegt eine geschlossene Schneedecke im Stadion, schafft es die Rasenheizung alleine nicht, den Schnee abzutauen. Ist er kurz vor dem Spiel gefallen, kommen glücklicherweise viele Helfer und Fans zum Schneeschieben. Der Schiedsrichter entscheidet dann vor dem Spiel, ob noch rote Linien auf der weißen Decke aufgebracht werden sollen, sodass ich bereitstehen muss, um zu linieren. Mein wichtigstes Ziel ist immer, eine Spielabsage wegen Unbespielbarkeit des Platzes zu vermeiden. Wenn bei Frost und Schnee gar nichts mehr geht, besteht auch noch die Möglichkeit, eine Folie über dem Stadionrasen auszubreiten, um den Wirkungsgrad der Rasenheizung zu erhöhen. Salz ist übrigens auf Sportrasen tabu, er verätzt ihn und macht ihn kaputt.

Intensive Schadensbegrenzung

Der Winter fordert dem Rasen ganz schön was ab. Um ihn zu stärken, setze ich kaliumbetonten Dünger mit nur ganz wenig Stickstoff ein. Das stärkt die Pflanze und macht sie resistenter gegen Frost und Pilzbefall. Kalium legt sich wie ein schützender Mantel um die Halme. Außerdem mähe ich seltener und weniger kurz. Statt wie im Sommer auf 2,5 bis 2,8 mm auf 3,0 bis 3,5 mm Höhe. Nicht nur, weil der Rasen im Winter nicht so schnell wächst, sondern auch, um die Pflanze nicht zu sehr zu schwächen. Löcher im Rasen wachsen im Winter natürlich nicht zu. Trotzdem kümmere ich mich um die Löcher und sähe Rasentragschicht nach. Sobald die Bodentemperatur auf 8 Grad steigt, keimt der Rasen. Mit den Wachstumslampen kann ich die Regeneration und das Nachwachsen des Rasens an besonders beanspruchten Stellen wie dem Torwartraum beschleunigen. Dort dünge ich den Rasen extra und stelle die Lampen alle 24 Stunden um. Dafür bleiben bis zum nächsten Heimspiel maximal zwei Wochen Zeit, aber es klappt. Auch wenn die Hälmchen das Spiel meist nicht überleben, sieht der Torraum zum Spielbeginn schön grün aus. Das wissen die Trainer sehr zu schätzen.

Auf in die Winterpause

Weihnachten und Silvester hat auch der Rasen seine Ruhe. Spieler, Trainer und Greenkeeperin gehen dann in die wohlverdiente Winterpause. Bei mir dauert die genau bis zum 7. Januar 2019, denn bis zur Rückspielrunde Ende Januar müssen der Stadionrasen und die Trainingsplätze wieder in Bestzustand sein.

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