ALLE REDEN ÜBER MIKROPLASTIK

Ganz gleich, ob man die Zeitung aufschlägt, das Fernsehen einschaltet oder im Internet surft, um dieses Thema kommt man zurzeit nicht herum: Die globale Mikroplastik-Problematik. In jüngster Zeit sind nun auch Kunstrasenplätze in den Fokus der Debatte gerückt. Doch was ist Mikroplastik überhaupt, was hat Kunstrasen damit zu tun und wie kann die Emission von Mikroplastik reduziert werden?

Was ist Mikroplastik und woher kommt es?

„Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind“. So definiert der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) den Begriff. Im Endeffekt handelt es sich bei Mikroplastik also um kleine Plastikpartikel, die in die Umwelt gelangen. Die genauen Quellen von Mikroplastik zu bestimmen, gestaltet sich als schwierig. Denn die Partikel sind so klein, dass man ihre eindeutige Herkunft anhand des Äußeren fast unmöglich zuordnen kann. Forschungen des Umweltbundesamtes haben ergeben, dass die größten Quellen für Mikroplastik in Europa der Reifenabrieb und die Fragmentierung von Kunststoffabfällen sind. Aber eben auch die Gummigranulate in Kunstrasenplätzen fallen unter die Kategorie Mikroplastik.

Warum verbauen wir überhaupt Gummigranulat im Kunstrasen?

Durch das Einstreuen von Gummigranulat ist der Kunstrasen beim Bespielen besonders weich und kommt damit in Sachen Spieleigenschaften und Spielgefühl einem frisch gemähtem Naturrasen sehr nah. Das Einstreugranulat optimiert z. B. das Ballroll- und Ballsprungverhalten. 

Das Verfüllen mit Gummigranulat wurde aus den USA übernommen, wo seit Mitte der 1980er Jahre Kunstrasen auf diese Weise gebaut werden. Zu dieser Zeit haben wir in Deutschland noch reine Sandkunstrasen gebaut. Hierzulande kam der neue Trend relativ spät an - erst zum Ende des letzten Jahrtausends. Durch den riesigen Zuspruch der Sportler und Nutzer wurden dann jedoch in den vergangenen 20 Jahren fast 4000 Fußballfelder mit Kunstrasen und Gummigranulat gebaut.

Ist niemand auf die Idee gekommen, dass das Gummigranulat vielleicht schädlich für unsere Umwelt sein könnte?

Nein. Jedenfalls nicht mit dem Wissen oder Hintergrund, dass wir Gummi/Mikroplastik in die Natur verlieren, welches eine unglaublich lange Haltbarkeit aufweist. Immerhin wurde darauf geachtet, dass wir Kunststoffe verbauen, welche keine umweltgefährdenden Stoffe enthalten oder ins Wasser abgeben.

Haben wir ein Mikroplastik-Problem im Kunstrasen in Deutschland?

Ja, wir haben ein Problem mit Mikroplastik aus Gummigranulaten im Kunstrasen in Deutschland. Aber: Andere Länder sind stärker betroffen. In allen anderen europäischen Staaten werden Sportplätze mit der doppelten oder dreifachen Menge an Gummigranulat verfüllt, da die dortigen Kunstrasenplätze im Gegensatz zu Deutschland ohne Elastikschicht gebaut werden. Ergo: mehr Einfüllmaterial, höherer Austrag durch Wind, Wetter und Nutzung der Granulate in die Umwelt.

Wie gehen wir damit um? Jetzt sofort und in Zukunft?

Die Kunstrasenqualität hat in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen. Insgesamt ist Kunstrasen langlebiger und haltbarer geworden und hat heute weichere Fasern und einen dichteren Rasen als es bei älteren Belägen der Fall ist. Dadurch benötigen wir auch weniger Granulat, als noch vor 20 Jahren. Auf Basis des heutigen Wissenstandes empfehlen wir, neue Plätze ohne Gummigranulat zu bauen, sondern nur mit Sand oder mit Kork zu verfüllen.

Bei allen bestehenden gummiverfüllten Kunstrasenplätzen – immerhin fast 4.000 in Deutschland - sollten schnellstmöglich zumindest einige wenige Sofortmaßnahmen ergriffen werden, um das Austragen von zu großen Mengen des Granulats in die Umwelt zu verhindern. Dazu können wir an folgenden Punkten ansetzen:

Punkt 1: Ältere Plätze, auf denen überschüssiges Granulat locker auf der Oberfläche aufliegt, sollten mit einem geeigneten Gerät abgesaugt werden, sodass das Granulat nicht mehr so schnell abgetragen und in die Umwelt gelangen kann.

Punkt 2: Durch jahrelanges Bespielen und Pflegen sammelt sich das Granulat in der Regel im Randbereich des Sportplatzes – ungefähr auf den ersten 5 - 10 Metern. Im Mittelbereich, dort wo am meisten gespielt wird, liegt dann entsprechend weniger Granulat. Hier könnte auch durch Absaugen in den Randbereichen die Natur vor weiterem Austrag geschützt werden.

Punkt 3: Zusätzlich sollten Filter am Ende der Dränage/Entwässerung eingebaut werden.

Punkt 4: Als letztes empfehlen wir, im Zugang zu jedem Platz eine Schleuse aus speziellen Rinnen und Gummimatten einzubauen, in der die Spieler das Granulat auf dem Weg in die Kabine verlieren.

Je nach Größe des Platzes und den örtlichen Gegebenheiten, würden sich die Kosten der Maßnahmen auf ca. 10.000 € bis 15.000 € belaufen. Mit dieser Investition ließe sich die Austragung von Gummigranulaten in die Umwelt schätzungsweise um 80% reduzieren. Das sollte es uns wert sein. Fazit: Es ist also möglich, schnell etwas an unserem Mikroplastik-Problem zu ändern. Aber Umweltschutz gibt es eben nicht zum Nulltarif.

Naturkork eignet sich hervorragend als Einfüllgranulat in Kunstrasen

Ist es dann nicht sinnvoll das ganze Granulat von allen Plätzen sofort abzubürsten und durch Sand oder Kork zu ersetzen?

Nein. Das ist es normalerweise nicht, es sei denn, der Sportplatz liegt in besonders schutzwürdigen Gebieten, in der Nähe einer Quelle oder im Überschwemmungsgebiet.

Wäre nicht aber Naturrasen auch eine Alternative für Sportplätze?

Ja, auf jeden Fall! Unserer Einschätzung nach könnten in Deutschland viel mehr Naturrasenplätze gebaut werden. Aber: Naturrasen wird geliebt und gehasst. In den großen Stadien auf der ganzen Welt wird heutzutage Spitzenfußball ganzjährig auf nahezu perfektem Rasen gespielt. Auch beim Naturrasen hat es in den letzten 20 Jahren eine enorme technische Weiterentwicklung gegeben. Der Naturrasen wird in Profikreisen als allerbeste Spielunterlage, die durch keinen Kunstrasen zu toppen ist, gesehen und von allen Sportlern geliebt.

Im Amateurbereich genießt Naturrasen einen deutlich schlechteren Ruf. Das hat mehrere Ursachen: Grundsätzlich braucht ein Naturrasen regelmäßige Pflege und daran wird einfach viel zu häufig gespart. Unter anderem deshalb sind über 80% aller Amateursport-Rasenanlagen - immerhin über 10.000 in Deutschland - in einem beklagenswerten Zustand. Die Plätze sind uneben, zu hart oder zu weich, der Rasen ist teilweise zu lang und der Platz häufig zu löchrig. Dazu kommt, dass der Rasenplatz bei Regen schnell schmierig/feucht, und im Sommer zu trocken wird, da die meisten Anlagen zu alt oder nach alter bzw. falscher Technik gebaut sind. Der Fortschritt, den wir im Profibereich erzielt haben, ist an der Basis leider noch nicht angekommen.

Warum gibt es im Amateurbereich so wenige gute Naturrasenplätze?

Ein Grund ist sicher die geringe Lobby, die Naturrasen in Deutschland hat. Allzu schnell wurde doch immer der Kunstrasen als das alleinseligmachende verkauft. Die Grundsatzfrage, ob unter Umständen ein guter neuer Naturrasenplatz ebenso geeignet wäre, wird hingegen vielerorts überhaupt nicht gestellt. Ein weiterer Grund ist, dass häufig nur einmalige Zuschüsse aus Fördergeldern in den Sportplatzbau geflossen sind und laufende Pflegekosten, die beim Naturrasen natürlich etwas höher sind, nicht förderungswürdig waren bzw. sind.

Naturrasen wird in Profikreisen als allerbeste Spielunterlage gesehen

Was können wir ändern?

Wir müssen uns trauen, wieder mehr Naturrasenplätze nach neuestem Stand zu bauen. Wir müssen akzeptieren und lernen, dass Naturrasenplätze auch mal teurer sind und mehr Pflege benötigen. Wir müssen hinterfragen, ob wir an jeder Stelle immer weiter bestehen Rasenplätze in Kunstrasen umwandeln müssen oder ob wir diese erhalten können und wollen.

Sollte die Entscheidung auf Kunstrasen – für den es nachvollziehbare und richtige Argumente gibt – fallen, ist darauf zu achten, möglichst natürliche Einfüllmaterialen zu verwenden. Ebenso kann bei bestehenden Anlagen mit Gummigranulat die Austragung von Mikroplastik durch die genannten präventiven Maßnahmen erheblich reduziert werden.  

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